Alltag mit Corona

Tanzen

Am Freitag, den 13. März 2020, habe ich mich – auf unbestimmte Zeit – freiwillig zu Hause einquartiert. Es sind seitdem 13 Tage vergangen. Vielleicht sollte ich mir eine Art Adventskalender zulegen, der langsam die Tage zählt, Türchen für Türchen – oder ich male Striche an die Wand wie ein reumütiger Häftling mit traurigem Gesicht in einer düsteren Gefängniszelle. Natürlich sehe ich mich dabei vor meinem inneren Auge in der typischen Sepiafärbung früher Filme. Ihr wisst schon.


Drei im gleichen Rhythmus

Mein Mann, mein Sohn und ich, wir haben uns langsam eingegroovt, wir geben uns dem Rhythmus der wiederkehrenden Mahlzeiten hin, wie im Urlaub. Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Mein Neffe sagte neulich am Telefon zu meiner Schwester: „Mama, wir müssen noch Mittag essen.“ Draußen war es bereits dunkel. Der arme Junge war scheinbar völlig durcheinander. Verständlich. Wie soll man sich als Kind auch zurechtfinden, wenn Eltern ständig Dinge tun, die sonst nur an verregneten Wochenenden gemacht werden.


Die innere Uhr umstellen

Es hat ungefähr zehn Tage gedauert, bis ich mich an das Leben innerhalb unserer vier Wände gewöhnt habe. Ich musste meine innere Uhr erstmal updaten, um einen neuen Takt zu finden. Und wisst ihr, woran mich Homeoffice und Kontaktsperre erinnern? An die erste Zeit mit einem Neugeborenen zu Hause.

So ein Baby stellt alles auf den Kopf und richtet sich nicht danach, was Mama sich so überlegt hat, wie das läuft mit dem ersehnten neuen Lebensabschnitt. Ein Neugeborenes kennt kein „Oh, es ist dunkel, ich gehe lieber mal schnell wieder zurück ins Bett“. Und wenn es draußen hell ist, dann verpennt der kleine Hosenscheißer gerne mal den tollen Spaziergang an der frischen Luft. Dabei ist man extra an den See gefahren. 20 Minuten mit dem Auto. Damit der Kleine es schön hat.

Immer dann, wenn ich mich mal gut gefühlt habe und Bäume hätte ausreißen können, dann hatte der Wurm unter Garantie gerade schreckliches Bauchweh und heftige Blähungen. Meine Energie verpuffte also gänzlich ungenutzt im Fliegergriff, Kind mit Bauch nach unten im Arm, am liebsten mit Wärmflasche und beruhigendem „LaLeLu“ auf den Lippen. Wenn ich dagegen im Stehen hätte einschlafen können, war der kleine Floh gerne putzmunter und schaute mit großen Augen in die Welt. Nachts um drei wohlgemerkt.


Aneinandergefesselt

Ohne jede Vorwarnung war mir mit einem Neugeborenen zu Hause innerhalb kürzester Zeit sterbenslangweilig. Mir fiel wirklich mit sehr lautem „Wumm!“ die Decke auf den Kopf. Ich schaute verzweifelt um 11 Uhr vormittags auf die in der Stille laut tickende Küchenuhr und wusste mir überhaupt keinen Rat, was ich mit der verbleibenden Zeit, dem Rest des Tages, anstellen sollte. Meistens fing ich an zu weinen, randvoll mit unverzeihlichen Gefühlen wie „Ich-kann-das-nicht“ oder noch schlimmer „Ich-will-das-nicht“. Das pure Mutterglück wollte sich so gar nicht einstellen. Bis ich entdeckt habe, dass ich während des Stillens hervorragend meine geliebten Kriminalromane weiterlesen kann. Und die Zeit, wenn das Baby schläft, am besten für ein Nickerchen nutze statt schnell mal den Haushalt auf Vordermann zu bringen.

Auch Corona hat meinen gewohnten Lebensrhythmus aus dem Takt gebracht. Morgens aus dem Haus gehen und abends wieder zurückkommen – das gibt es in dieser Form erstmal nicht mehr.

Wir hocken aufeinander. Wie in einem kleinen Ferienhäuschen. Nur ohne Koffer. Und ungeplant.


Tanzen als Selbstzweck

Meine Tochter ist gerade mit ihrem Freund zusammengezogen und sitzt nun in der neuen Wohnung zwischen lauter Umzugskartons und wartet auf die Lieferung der Dinge, die neu angeschafft wurden: Kühlschrank, Sofa, Esstisch mit Stühlen. Gestern beim Telefonieren hat sie mich gefragt: „Sag mal, Mama, muss man eigentlich jeden Tag duschen?!“ Ich habe das verneint. Man muss nicht jeden Tag duschen. Aber ich mache es trotzdem, weil es sonst schlimmer wird als Urlaub. Dann wird es wie Erkältung, krank im Bett. Und das will ich dann doch nicht.

Wenn sich außerhalb der drei Mahlzeiten unerwartet Lebensgeister in mir regen, die über das Duschen hinausgehen, dann lasse ich mich spontan darauf ein, was mir gerade so in den Sinn kommt.

So habe ich zum Beispiel gestern

  • Meine Socken in der Socken-Schublade nach Farben sortiert,
  • Das Hochbett meines Teenager-Sohnes entkeimt, also aufgeräumt und geputzt,
  • Alle Betten frisch bezogen,
  • Einen Online-Kurs in einer Tanzschule besucht.

Und während ich so auf Socken und in Jogginghose zu lockerer Salsa-Musik genüsslich meine Hüften schwinge, mehr oder weniger den Anweisungen des Tanzlehrers folgend, die dank ZOOM in mein Wohnzimmer übertragen werden, denke ich: „Ich kann auch mit Corona-Krise Spaß haben – wer hätte das gedacht!“

Hier schließt sich der Kreis. Denn auch meine erste Zeit mit einem Neugeborenen endete mit der Feststellung: „Ich kann auch mit Baby Spaß haben!“ Wer hätte das gedacht.

Ich hoffe, meine vier Kinder verzeihen mir meine Ehrlichkeit. Ich hab´ euch lieb. Ihr seid toll. Es war halt nur nicht so einfach am Anfang mit Baby. Ich musste mich erstmal zurechtfinden.

P.S. Die Online-Tanzkurse der Berliner Tanzschule „Trybe Dance Studio“ findest du hier: Trybe Dance Studio Online Classes

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