Gute Seiten von Corona

Die guten seiten von Corona

Es fällt mir schwer, nach über fünf Wochen Zwangs-Sabbatical, das Gute in dieser weltweiten Pandemie zu entdecken. Aber ich entdecke es mehr und mehr…

Die strengen Abstands- und Kontaktregelungen berühren mein gewohntes, normales Leben auf sehr schmerzhafte Art und Weise. Die Aussichten sind düster. Es könne, so heißt es offiziell, locker noch bis zu 18 Monate dauern, bis das Coronavirus nicht mehr für erhebliche Einschränkungen sorgt. Bis dahin gilt: Abstandsgebot, Hygieneregeln, Tragen von Mund-Nasen-Schutz, womöglich auch Mobil-Apps zur Kontaktnachverfolgung. Und darüber hinaus tausend ungeklärte Fragen und Unsicherheiten organisatorischer und finanzieller Natur.

Meine Tochter weiß nicht, wann und wie es mit der Uni weitergeht.

Meine Nichte ist nach wie vor zu Hause, ohne Kindergarten am Vormittag, ohne Spielplatzbesuch am Nachmittag, ohne Freunde zum Spielen seit Wochen.

Mein Mann ist als Freiberufler unmittelbar von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen, da er auf Aufträge angewiesen ist von Unternehmen, die als Reaktion auf die Pandemie ihre Ausgaben drastisch reduzieren. Keine guten Aussichten.

Ich selbst realisiere nur ungern, dass das alles erst der Anfang ist. Es gibt keinen Grund zur Entwarnung, sagen die Experten. Ein Großteil der Bevölkerung ist bisher noch gar nicht erkrankt an dem Virus. Es geht nach wie vor darum, Masseninfektionen zu vermeiden, um die Krankenhäuser nicht zu überfordern. Die Kurve abflachen. Das ist immer noch das Ziel. Mit Blick nach vorne bedeutet das: kein Freibad, kein Sommerurlaub, keine Olympischen Spiele. Dieser Sommer wird nicht so wie wir es kennen und mögen. Irgendwie müssen wir alle anders leben lernen.

Ich breche wiederholt total deprimiert zusammen. Die aktuellen Nachrichten machen mich fertig. Ich fühle mich dann wie ein Land nach einer Naturkatastrophe. Ich bekomme keine Luft. Alles fühlt sich falsch an. Zerstörte Träume. Beklemmende Befürchtungen. Schrecklich.

Und dazwischen gibt es, ganz und gar unerwartet, Momente, die schön sind, besondere Momente, voller Liebe und Zuversicht.

In der letzten Woche hat mich zum Beispiel ein Video erreicht: Schauspieler der Agentur Studlar (München/Berlin) haben „Das Hohelied der Liebe“ aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs des Paulus von Tarsus eingesprochen und veröffentlicht: https://youtu.be/WxNNqZDE-EI

Ich war sehr berührt. Hier heißt es ja am Ende so schön: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Ups, dachte ich. Stimmt das? Stimmt das auch jetzt? Stimmt das auch jetzt in dieser Krise?

 

Was ist gerade los mit meinem Glauben?

Normalerweise gibt mir mein Glaube Kraft und Halt. Hier darf ich ungehemmt meine kleinen und großen Sorgen vor Gott ausbreiten und um Hilfe bitten. Das gelingt mir im Moment nicht. Aber ich fühle mich im stillen Gebet verbunden mit allen anderen Menschen, die diese schwierige Zeit mit mir zusammen erleben.

 

Was macht mir gerade Hoffnung?

Gestern bin ich beim Spazierengehen einem kleinen Mädchen begegnet, vielleicht eineinhalb Jahre alt, die mit ihrem Vater unterwegs war. Sie stand da und strahlte mich an. Dann winkte sie mir zu, auf eine Weise, wie nur Kinder in diesem Alter es können, mit so viel Freude und Fröhlichkeit – ich winkte zurück und sie strahlte übers ganze Gesicht als wäre was wirklich richtig Tolles passiert – mir stiegen die Tränen in die Augen. Ich war so gerührt von dieser kindlichen Begeisterung: Ich winke und strahle und wenn du zurückwinkst, dann strahle ich noch mehr. Es war zutiefst menschlich.

Das Virus kann uns das nicht kaputt machen. Das ist meine Hoffnung. Wir sind und bleiben Menschen. Soziale Wesen. Wir sind nicht dafür gemacht, isoliert zu leben. Wir winken wie das kleine Mädchen in die Welt hinaus – und wenn jemand zurückwinkt, dann ist uns das Grund zur Freude. Virus hin oder her.

 

Und was ist nun mit der Liebe?

Ja, die Liebe… viele Geschichten, die ich gerade erzähle, drehen sich um die Liebe…

Ich muss sagen, ich fühle mich beschenkt in dieser Zeit. Ich fühle mich privilegiert gegenüber anderen.

Erstens: Ich lebe nicht allein. Mein Mann und mein Sohn sind bei mir. Ich habe körperlichen Kontakt, es gibt Umarmungen. Ich kann mich spüren in der Umarmung. Ich kann den Anderen spüren in der Umarmung.

Zweitens: Wir haben eine große Wohnung, können uns auch mal aus dem Weg gehen. Wir können aber auch gemeinsam zum Abendessen an einem Tisch sitzen und miteinander reden, wenn uns danach ist.

Drittens: Mit meinen Eltern und meinen Kindern gibt es mehrmals in der Woche ein digitales Beisammensein via Zoom. Diese privaten Videochats sind meine Rettung. Ich sehe und höre die Menschen, die ich vermisse. Das tröstet mich ungemein.

Ich bin also gerade, wenn man es genau nimmt, umgeben von Liebe. Es gibt im Moment kaum etwas Anderes, was so konstant DA ist und bei mir bleibt, wie die Liebe. Pläne kippen, Gelder bleiben aus, Optionen brechen weg. Aber die Liebe bleibt.

Corona wirkt für mich wie ein Brennglas. Der Staat, die Gesellschaft, kulturelle Werte bilden sich ab im Umgang mit der Corona-Krise. Es wird deutlich, was passiert, wenn man die Freiheit des Einzelnen zugunsten der Allgemeinheit massiv beschneidet. Konflikte verdichten sich. Verdrängtes, Nicht-Beachtetes zeigt sich. Neues entsteht.

Und das Gute bündelt sich, potenziert sich. Das ist mein Eindruck.

Ich spüre, wer mir wirklich am Herzen liegt. Ich spüre, dass ich alles dafür geben würde, meine Liebe wieder ganz frei ausdrücken zu dürfen. In Worten, in Gesten, in Taten. Meine Tochter, weit weg in München, endlich wieder ganz fest in die Arme nehmen. Dann wäre ich wieder ganz frei.

Solange bleibt mir meine Liebe zu ihr. Solange bündelt und potenziert sich meine Liebe zu meinen Liebsten. Und das kann mir keiner nehmen. Auch nicht ein Virus in der Größe von 120 Nanometern.

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