Corona und die Liebe

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Ich kenne Paare, da geht der Mann seiner Wege, ist wenig zu Hause und die Frau macht viel mit sich selbst aus. Ich kenne Frauen, die halten ihrem Mann, der extrem viel gearbeitet, mit Haushalt und Kindern komplett den Rücken frei…

Ich kenne Partnerschaften, da leben beide im Laufe der Zeit eigentlich nur noch nebeneinander her.

Und ich kenne Beziehungen, in denen die Partner wirklich auffallend wenig miteinander reden – und wenn sie es dann doch mal tun, kommt es in der Regel blitzschnell zum Streit.

Unfreiwilliges Zusammensein

Nun sitzen wir alle zu Hause. Wie läuft das wohl in einigen Häusern und Wohnungen, wenn die Beziehung schon vor SARS-CoV-2 nicht die beste war?

Ich höre von Männern, die trotz Corona-Krise morgens um 7 Uhr das Haus verlassen und erst spät abends aus dem Büro zurückkommen. Sie murmeln dabei irgendwas von „Welt retten“. Die Kinder sitzen mit Mama zu Hause fest, 24/7. Viele Frauen sind schon nach wenigen Tagen total gestresst. Unzufriedenheit und Enttäuschung bekommen dann nicht selten die Männer ab, falls sie es überhaupt wagen, vor dem Schlafengehen nach Hause zu kommen.

Ich höre von Frauen, die müde und verzweifelt versuchen, gegen die trübselige Stimmung vorzugehen. Die Kinder werden zurechtgewiesen, es gibt schon beim Frühstück unschöne Diskussionen, der Mann verschwindet hinter der Zeitung oder fährt in den Baumarkt. Bis in die späten Abendstunden wird gebetsmühlenartig an die Kinder appelliert, doch bitte endlich ihre Schulaufgaben zu erledigen. Das Nervenkostüm wird dabei dünner und dünner.

Die Stimmung kann sogar so schlecht werden, dass einige Paare tatsächlich an Trennung denken. Vorübergehend. Zeitweise. Oder dauerhaft.

Nicht automatisch Nähe

Man könnte ja denken, nun haben alle Familien doch endlich mal so richtig Zeit füreinander. Welch ein Fest! Endlich Zeit für Aussprachen, endlich Zeit für Zweisamkeit, endlich Zeit für Monopoly. Aber es knirscht und knarzt doch ganz schön laut im Gebälk.

SARS-CoV-2 zwingt uns im engsten Familienkern in ein spontanes Sabbatical – ohne Vorankündigung, ungeplant, nicht idyllisch und romantisch mit Palmen, Strand und Meer, sondern ganz profan in den eigenen vier Wänden. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen. Mit wem lebe ich da eigentlich zusammen? Wen habe ich da an meiner Seite? Wer ist dieser Jemand, der sich mit mir Tisch und Bett teilt?

Wir sind gezwungen, dicht beieinander zu sein.

Man könnte diese Zeit nutzen, um aufzuräumen. Innerlich wie äußerlich.

Endlich Ordnung schaffen

Nach einer ersten Schockstarre kam bei mir eine Phase der Anpassung. Irgendwie habe ich mich an die neuen Umstände gewöhnt. Und tatsächlich komme ich mittlerweile sogar ins Handeln. Ich räume ein Zimmer aus, das sehr lange als Rumpelkammer vor sich hin vegetiert hat. Wische dort Staub, schmeiße unnützes Zeug in die Mülltonne, rücke die Möbel hin und her. Und versuche, dem Zimmer einen neuen Sinn zu geben. Und damit vielleicht auch meinem Leben eine neue Richtung, einen neuen Inhalt, eine neue Qualität.

Du kannst dir denken, wo mich das hinführt. Es führt mich zurück zu mir. Das bedeutet im Detail: Während ich so räume und sortiere, begegnen mir 1000 Dinge, die Filme vor meinem inneren Auge ablaufen lassen. Filme aus Kindertagen. Aus der eigenen Kindheit. Aber auch aus der Kindheit meiner Kinder. Und beides liegt schon Jahrzehnte zurück.

Ich bin alt geworden. Ich feiere im September meinen 50. Geburtstag.

In einem Video, das in den sozialen Medien kursiert, und in dem das Coronavirus SARS-CoV-2 zu uns Menschen spricht, da heißt es: „Wenn ihr am Feiern seid, bin ich gerade gegangen.“

Ob meine Geburtstagsfeier im September wohl stattfindet?

Was für eine Frage. Aber daran lässt sich prima ablesen, dass die Zukunft momentan nicht in meiner Hand liegt.

Tabula rasa

Dieses Virus polarisiert: Was funktioniert gut und was läuft schief? Dieses Virus deckt auf: Ist das hier das Leben, das ich führen will? Dieses Virus hinterfragt: Macht mich mein Beruf glücklich?

Ich bin unendlich dankbar, dass ich seit vielen Jahren einen Mann an meiner Seite habe, mit dem ich – auch unfreiwillig – gerne meine Zeit verbringe, unser Zuhause teile und im Streit genau weiß, dass wir beide sehr genau wissen, wie wir uns wieder vertragen können und was es dafür braucht.

Ich bin unendlich dankbar, dass meine Kinder so einen festen Platz in meinem Herzen haben und ich so vieles in ihnen sehe in dieser Krisenzeit, was mich an mich selbst erinnert. Ich fühle mich ihnen so nah als wären sie da.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich keine finanziellen Sorgen habe, die mich lähmen und zu Boden drücken. Es ist ein großer Luxus, genügend Geld für das Leben zu haben, das ich mir aufgebaut habe.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich dank der vorhandenen technischen Möglichkeiten mit meinen Eltern videotelefonieren und mich persönlich davon überzeugen kann, dass sie gesund sind.

Ich möchte nicht jammern und nicht klagen. Ich habe auch trotz Kontaktsperre immer mich und meine Liebe zu mir selbst und meine Liebe zu den Menschen, denen ich mich aufs Tiefste verbunden fühle.

Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält.

Bitte bleib zu Hause. Bitte nimm dir die Zeit, die dir gegeben wird, in die Hand. Räum auf. Innerlich wie äußerlich. Dann ergibt dieser scheinbare Unsinn, der mit SARS-CoV-2 in unsere Wohnzimmer eingezogen ist, vielleicht doch irgendwann einen Sinn.

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